Berufliche
Veränderung
ab 45:
Wenn du spürst,
dass da
noch mehr
in dir steckt.

Job-Coachin Jenna van Hauten
über eigene Stärken,
neue Wege und die Frage:
Muss ich wirklich alles verändern?

Interview mit Psychologin und Job-Coachin
Jenna van Hauten
Aktualisiert am 13.09.2026

Mit 45, 50 oder 60 kann plötzlich ein Gedanke auftauchen, der sich nicht mehr wegschieben lässt:
Das kann es doch noch nicht gewesen sein.
Vielleicht ist der Job eigentlich sicher. Vielleicht stimmt sogar vieles. Und trotzdem fehlt etwas. Mehr Sinn. Mehr Freiheit. Mehr Lebendigkeit. Oder einfach das Gefühl, wieder am richtigen Platz zu sein.
Andere Frauen stehen dagegen nach vielen Berufsjahren vor einer ganz konkreten Veränderung: Der Arbeitsplatz ist unsicher, die Anforderungen haben sich verändert oder die bisherige Tätigkeit fühlt sich nicht mehr passend an
Doch was dann?
Muss wirklich alles neu werden? Oder reichen manchmal ein paar gezielte Veränderungen?
Wir haben mit der Psychologin und Job-Coachin Jenna van Hauten darüber gesprochen, warum Frauen ihre eigenen Stärken oft unterschätzen und wie sie herausfinden können, was beruflich wirklich zu ihnen passt.

Das Wichtigste auf einen Blick

• Der Wunsch nach Veränderung ist häufig schon lange da, bevor wir ihn ernst nehmen.
• Berufserfahrung allein sagt noch nicht, ob ein Job zu uns passt.
• Die eigenen Stärken sind oft genau die Fähigkeiten, die wir selbst für selbstverständlich halten.
• Nicht jede berufliche Unzufriedenheit verlangt einen kompletten Neustart.
• Entscheidend ist die Frage: Wie gut passt mein aktueller Arbeitsalltag zu mir?
• Wer die eigenen Stärken kennt und benennen kann, gewinnt Orientierung für berufliche Veränderungen.

 

„Da steckt noch mehr in mir“: Woher dieser Gedanke kommt

Viele Frauen funktionieren über Jahre. Sie erfüllen Erwartungen, übernehmen Verantwortung, kümmern sich um Familie und Beruf und machen das, was eben getan werden muss.
Und irgendwann kommt die Frage: War das alles?
Jenna van Hauten erlebt diesen Moment häufig in ihrer Arbeit. Sie erzählt von einer Kundin, die ihren sicheren Job mit 61 Jahren gekündigt und anschließend erfolgreich in eine völlig andere Branche gewechselt hat. Eine andere Frau startete nach 35 Jahren in einer Bank eine nebenberufliche Selbstständigkeit. Der Wunsch nach Veränderung entsteht dabei häufig nicht plötzlich.
„Ich erlebe fast immer, dass dieser Gedanke, dass da noch mehr ist, oft schon seit Jahren da war“, sagt van Hauten.
Auslöser können eine Kündigung, Veränderungen im privaten Leben oder eine zunehmende Unzufriedenheit sein.
Oft wurde der Gedanke zuvor jedoch immer wieder verschoben. Gründe hierfür können sein:

  • Die Familie hatte Priorität.
  • Der Zeitpunkt war ungünstig.
  • Die Sicherheit war wichtig.

Bis die innere Frage irgendwann lauter wird.

„Wenn du am falschen Platz bist, dann bist du am falschen Platz. Aber nicht weil du falsch bist, sondern weil der Platz falsch ist.“

Fachwissen ist nicht alles

Gerade nach Jahrzehnten im Beruf kann es verunsichern, wenn sich plötzlich etwas verändert. Neue Technologien kommen hinzu. Jüngere Kolleginnen und Kollegen wirken selbstverständlich sicher mit neuen Werkzeugen. Arbeitsweisen verändern sich.
Doch laut van Hauten wird der Wert von Fachwissen häufig überschätzt.
Entscheidend sei vielmehr, wie ein Mensch denkt, entscheidet und mit anderen zusammenarbeitet. Dazu gehören beispielsweise Empathie, Struktur, Verantwortungsbewusstsein oder die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen den Überblick zu behalten.
Das Problem: Viele Frauen erkennen diese Eigenschaften gar nicht als besondere Stärke. „Das ist doch selbstverständlich“, denken sie. Doch genau darin liegt ein Denkfehler. Was uns leichtfällt, ist nicht automatisch wenig wertvoll.

Der SHINE-Check: Passt mein Job noch zu mir?

Eine einfache Methode aus dem Coaching von Jenna van Hauten kann dabei helfen, die eigene Situation zunächst zu sortieren.

Bewerte deinen aktuellen Job auf einer Skala von 0 bis 10.

0 = Er passt überhaupt nicht zu mir.

10 = Ich könnte mir keine bessere Arbeit vorstellen.

Dann frage dich:

  1. Wo stehe ich heute?
  2. Wie lange versuche ich bereits, etwas zu verändern?
  3. Welche konkreten Dinge stören mich?
  4. Was davon könnte ich in meinem aktuellen Job tatsächlich verändern?
  5. Wie nah könnte ich meinem persönlichen Ideal dadurch kommen?
  6. Und vor allem: Würde mir das reichen?

Damit wird aus einem diffusen Gefühl eine konkrete Entscheidung.

Vielleicht braucht es tatsächlich nur eine andere Aufgabenverteilung, mehr oder vielleicht auch weniger Verantwortung, ein anderes Team oder mehr Flexibilität.

Vielleicht ist der Abstand zwischen dem aktuellen und dem gewünschten Arbeitsalltag aber auch so groß, dass ein Wechsel sinnvoller ist.

Die eigenen Stärken wiederfinden

Wer jahrelang vor allem Erwartungen erfüllt hat, verliert leicht den Kontakt zu der Frage: Was will ich eigentlich selbst?  Van Hauten beginnt deshalb mit einer erstaunlich einfachen Frage: Was macht mir Freude?
Dabei empfiehlt sie ihren Kundinnen, auf die eigene Sprache zu achten.
Wie oft sage ich:

  • „Ich muss.“
  • „Ich sollte.“

Und wie oft:

  • „Ich will.“
  • „Ich möchte.“

Diese kleine Veränderung kann etwas sichtbar machen, das lange untergegangen ist: die eigenen Bedürfnisse. Auch die Frage nach den konkreten Aufgaben hilft.

  • Welche Tätigkeiten machen mehr Freude als andere?
  • Bei welchen Aufgaben bin ich ganz bei mir?
  • Was fällt mir leicht?
  • Und bei welchen Dingen verliere ich regelmäßig Energie?

Daraus entsteht Schritt für Schritt ein Bild der eigenen Stärken.

Buchtipp: Endlich ein Job, der zu mir passt

Buchcover Jenna van Hauten

Jenna van Hauten: „Endlich ein Job, der zu mir passt!“
Kniga Verlag, 2026, 264 Seiten
ISBN 978-3-910385-96-2
http://www.vanhauten.com/buch

„Endlich ein Job, der zu mir passt!“ von Jenna van Hauten beschäftigt sich mit genau der Frage, die auch im Mittelpunkt dieses Interviews steht: Wie finde ich einen Arbeitsplatz, an dem ich meine Stärken einsetzen kann und mich gleichzeitig wohlfühle?

Dabei geht es nicht darum, irgendeinen neuen Job zu finden. Sondern darum, herauszufinden, welche Art von Arbeit, Aufgaben und Arbeitsumfeld zur eigenen Persönlichkeit passt.

Das Buch basiert auf van Hautens Stärkencoaching-Methode „Schema Du® statt Schema F“ und richtet sich an Menschen, die beruflich etwas verändern möchten oder merken, dass ihr bisheriger Arbeitsplatz nicht mehr richtig zu ihnen passt.

Unser SHINE-Fazit: Ein passender Buchtipp für alle, die nicht einfach nur ihren Job wechseln, sondern besser verstehen möchten, welche Arbeit eigentlich zu ihnen passt.

Muss ich wirklich alles hinschmeißen?

Nicht unbedingt. Eine der interessantesten Aussagen von Jenna van Hauten ist deshalb: Berufliche Veränderung bedeutet nicht automatisch Jobwechsel.
Jeder Mensch bringt eine individuelle Mischung aus Eigenschaften, Stärken und Bedürfnissen mit. Wer beispielsweise sehr strukturiert arbeitet, braucht möglicherweise mehr Planbarkeit als jemand, der besonders gut mit spontanen Veränderungen umgehen kann.
Wenn der Arbeitsalltag dauerhaft gegen diese grundlegenden Bedürfnisse arbeitet, kostet das Energie.
Passt der Alltag dagegen zu den eigenen Stärken, kann Arbeit nicht nur leichter werden. Sie kann auch wieder Energie geben.
Van Hauten beschreibt das mit einem einfachen Bild: Die verschiedenen Eigenschaften sind wie Zutaten in einem Rezept.
Die Frage lautet also nicht nur: „Welcher Beruf passt zu mir?“ Sondern: „Wie muss mein Arbeitsalltag aussehen, damit ich meine Stärken wirklich einsetzen kann?“

Für dich zum Weiterdenken

Anpassung oder echter Neuanfang?

Du bist unsicher, ob du deinen aktuellen Job verändern kannst oder ob es Zeit für einen Wechsel ist?

Jenna van Hauten hat dafür einen Entscheidungsguide entwickelt. SHINE-Leserinnen erhalten ihn aktuell für 17 Euro statt 147 Euro mit dem Gutscheincode SHINE.

Wann Anpassung reicht und wann ein Neustart sinnvoll wird

Ein Jobwechsel sollte nicht die erste Reaktion auf jede Unzufriedenheit sein. Aber genauso wenig sollten Frauen jahrelang versuchen, sich selbst an einen Arbeitsplatz anzupassen, der grundsätzlich nicht zu ihnen passt. Van Hauten empfiehlt deshalb, ehrlich auf die Unterschiede zwischen dem aktuellen und dem idealen Arbeitsalltag zu schauen.

Besonders wichtig können dabei einzelne Faktoren sein:

  • Für manche ist es die Unternehmenskultur.
  • Für andere die Arbeitszeit.
  • Für wieder andere die Möglichkeit, eigenständig zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen oder mit Menschen zu arbeiten.

Manchmal passt fast alles, aber ein entscheidender Faktor stimmt nicht. Und manchmal sind es so viele Punkte, dass kleine Veränderungen nicht mehr ausreichen.
Dann kann ein Jobwechsel die ehrlichere Lösung sein. 

„Vielleicht brauchst du keinen neuen Job, sondern einen Job, der besser zu dir passt.“

Der häufigste Denkfehler: „Ich bin nicht gut genug“

Nach Einschätzung von van Hauten unterschätzen viele ihrer Klientinnen ihren eigenen Wert. Die Angst vor Veränderung ist größer als das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Dabei kann berufliche Unzufriedenheit auch etwas anderes bedeuten: Nicht unbedingt, dass die eigene Kompetenz fehlt. Sondern dass die Passung fehlt.
Wer über Jahre in einem Umfeld arbeitet, das nicht zu den eigenen Stärken passt, bekommt möglicherweise immer wieder die Rückmeldung, nicht genug zu leisten oder nicht richtig zu funktionieren.
Das kann das eigene Selbstbild verändern.
Van Hauten formuliert es deshalb sehr klar:

„Wenn du am falschen Platz bist, dann bist du am falschen Platz. Aber nicht weil du falsch bist, sondern weil der Platz falsch ist.“

Frau die über ihre Stärken nachdenkt

Was, wenn ich heute aufwache und denke: „Das kann es nicht gewesen sein“?

Dann sollte dieser Gedanke nicht sofort weggeschoben werden. Viele Frauen reagieren zunächst mit inneren Sätzen wie:

  • Wer bin ich schon?
  • Ich sollte doch dankbar sein.
  • Dafür bin ich doch zu alt.
  • Jetzt noch einmal etwas Neues?

Van Hauten empfiehlt, stattdessen neugierig zu werden. Nicht sofort kündigen, nicht sofort alles verändern. Aber anfangen zuzuhören.

  • Was genau fehlt mir?
  • Wonach sehne ich mich?
  • Welche Fähigkeiten möchte ich stärker einsetzen?
  • Wie müsste mein beruflicher Alltag aussehen, damit ich mich wieder am richtigen Platz fühle?

Der erste Schritt muss deshalb nicht der Jobwechsel sein. Der erste Schritt kann schlicht darin bestehen, den eigenen Veränderungswunsch ernst zu nehmen.

Über Jenna van Hauten

Jenna van Hauten ist MSc. Psychologin und systemische Therapeutin. Sie ist Gründerin der Coaching & Leadership Academy „Schema Du® statt Schema F“ und Entwicklerin der gleichnamigen Stärkencoaching-Methode. In über 20 Jahren hat sie mehr als 8.000 Menschen dabei begleitet, einen beruflichen Weg zu finden, der sie wirklich erfüllt. Sie ist Host des Podcasts „Schema Du® statt Schema F“ und Autorin des Buches „Endlich ein Job, der zu mir passt!“ 

Mehr über Jenna van Hauten: https://vanhauten.com/

Jenna van Hauten lächelt in die Kamera
Jenna van Hauten©REDphoto

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Ein beruflicher Neustart besteht aus vielen kleinen Entscheidungen. Berufliche Veränderungen betreffen selten nur den Job. Diese Beiträge helfen dir dabei, neue Perspektiven zu entwickeln und deinen eigenen Weg klarer zu sehen.

Was von diesem Interview bleibt

Berufliche Veränderung ab 45 beginnt nicht zwangsläufig mit einem neuen Beruf.
Sie kann mit einer viel grundsätzlicheren Frage beginnen:

Passt mein Leben und mein Arbeitsalltag eigentlich noch zu mir?

Wer die eigenen Stärken kennt, kann genauer unterscheiden, was wirklich verändert werden muss.

  • Vielleicht braucht es nur eine neue Aufgabe.
  • Vielleicht ein anderes Umfeld.
  • Vielleicht einen neuen Arbeitgeber.
  • Und vielleicht tatsächlich einen kompletten Neustart.

Aber die Antwort sollte nicht aus der Angst heraus entstehen, zu alt oder nicht mehr konkurrenzfähig zu sein.
Sie sollte aus Klarheit entstehen. Denn mit 45+ beginnt nicht automatisch etwas Neues. Aber es kann der Zeitpunkt sein, an dem wir aufhören, uns selbst zu übergehen.

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Oft gestellte Fragen

Bin ich mit 45 oder 50 zu alt für eine berufliche Veränderung?

Nein. Entscheidend ist nicht allein das Alter, sondern die Frage, welche Fähigkeiten, Erfahrungen und Bedürfnisse du mitbringst und wie gut dein beruflicher Alltag dazu passt.

Muss ich für einen Neustart komplett neu anfangen?

Nein. Ein Neustart kann auch darin bestehen, die bisherige Berufserfahrung mit neuen Aufgaben oder einem anderen Umfeld zu verbinden.

Woher weiß ich, welche beruflichen Stärken ich habe?

Ein guter Ausgangspunkt sind die Tätigkeiten, die dir leichtfallen, bei denen andere dich regelmäßig loben und die dir Energie geben. Auch die Frage, welche Aufgaben du besonders gerne übernimmst, kann Hinweise geben.

Wann reicht eine Veränderung im bestehenden Job nicht mehr?

Wenn der Abstand zwischen deinem aktuellen und deinem gewünschten Arbeitsalltag dauerhaft zu groß ist und sich die entscheidenden Faktoren nicht verändern lassen, kann ein Jobwechsel sinnvoll sein.

Was ist der nächste Schritt wenn ich spüre: "Da ist noch mehr in mir?"

Nicht sofort kündigen. Erst einmal zuhören. Was genau fehlt? Welche Stärken möchtest du stärker einsetzen? Und wie müsste dein beruflicher Alltag aussehen, damit er wieder besser zu dir passt?

Bereit für deinen nächsten Schritt?

Berufliche Veränderungen beginnen selten mit einem neuen Job. Sie beginnen mit Klarheit. Im SHINE Magazin findes du fundierte Beiträge rund um Karriere, Neustart, Selbstständigkeit und den sinnvollen Einsatz neuer Technologien.
Wenn du deine nächsten beruflichen Schritte bewusst planen möchtest, begleiten dich die SHINE Programme Schritt für Schritt.

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