SHINE Letter #008


09.10.2026

Wenn das Alte nicht mehr passt

Liebe SHINE-Leserin,

manchmal merken wir erst mit etwas Abstand, wie lange wir uns schon mit etwas arrangiert haben, das eigentlich nicht mehr zu uns passt. Und was machen wir? Wir machen weiter. Weil es funktioniert, vielleicht auch weil wir Verantwortung tragen oder weil wir uns etwas aufgebaut haben und nicht einfach alles infrage stellen wollen.

Und vielleicht sagen wir uns auch, dass es anderen schließlich genauso geht. Dass der Job eben anstrengend ist, unser Alltag nun einmal so aussieht. Dass man nicht immer alles ändern kann.

Und das stimmt ja auch. Nicht alles, was uns Kraft kostet, muss immer gleich in Frage gestellt werden „Das Leben ist eben kein Ponyhof“. Und nicht jede unzufriedene Phase bedeutet, dass wir unser Leben neu aufstellen müssen.

Aber ich glaube, es lohnt sich, einen Unterschied zu machen: zwischen dem, was gerade schwierig ist, und dem, was sich schon länger nicht mehr richtig anfühlt.

Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Früher wurde mir öfter gesagt, ich sei sprunghaft. Ich hätte sogar „zerstörerische Kräfte“, weil ich Dinge infrage stellte, den Job wechselte, wenn ich weiterwollte, und mich immer wieder neu orientierte. Dabei war ich vor allem neugierig, offen für Neues und wollte mich nicht mit etwas zufriedengeben, nur weil es einmal zu mir gepasst hatte.

Dass ich damit manchmal aneckte, verstand ich lange nicht. Ich fühlte mich anders, manchmal sogar falsch, und stand oft zwischen meinem Entdeckerdrang und dem Wunsch, anderen zu gefallen und mich anzupassen.

Heute bin ich ruhiger geworden, vielleicht auch stetiger. Aber meine Neugier ist geblieben. Und ich glaube, dass es einen Unterschied macht, ob wir vor etwas davonlaufen oder ob wir spüren, dass es Zeit ist, uns weiterzuentwickeln.

Denn wir verändern uns. Unsere Vorstellungen, unsere Wünsche und das, was uns wichtig ist. Entscheidungen, die vor zehn oder zwanzig Jahren genau richtig waren, müssen heute nicht mehr dieselben sein.

Wir dürfen uns weiterentwickeln, ohne unser bisheriges Leben dafür infrage zu stellen und ohne uns rechtfertigen zu müssen.

Und wir müssen auch nicht sofort wissen, wie es weitergehen soll.

Vielleicht reicht es zunächst, sich einzugestehen, dass etwas nicht mehr passt. Ohne gleich eine Lösung finden zu müssen. Ohne schon den nächsten Schritt zu kennen.


Meine Leseempfehlung der Woche

Genau darum geht es in unserem aktuellen Artikel bei SHINE.

Die Psychotherapeutin Anne-Claire Kowald beschäftigt sich mit einer Frage, die viele Frauen in der Lebensmitte kennen:

Was ist, wenn das bisherige Leben nicht mehr richtig passt, wir aber noch gar nicht wissen, was wir stattdessen wollen?

Ihr Gedanke, dass wir nicht sofort einen neuen Plan brauchen, sondern zunächst Raum für uns selbst, hat mich besonders angesprochen.

Denn wie oft erwarten wir von uns, dass wir möglichst schnell eine Antwort finden? Dabei lässt sich manchmal viel leichter erkennen, was wir nicht mehr möchten, als das, was vor uns liegt.

Der Artikel lädt dazu ein, genau dort anzufangen. Nicht mit einer großen Entscheidung, sondern mit ein paar ehrlichen Fragen an sich selbst.

Meine Artikelempfehlung dieser Woche: „Ich weiß nicht, was ich will.“ Wenn das Alte nicht mehr passt

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Der Sonntagsgedanke

Vielleicht magst du dir heute einmal diese Frage stellen:

  • Was in meinem Leben würde ich genauso weiterführen, wenn ich heute noch einmal ganz neu entscheiden könnte?
  • Und was würde ich anders machen?

Du musst daraus keine To-do-Liste für die kommende Woche machen. Manchmal ist es schon hilfreich, eine Antwort überhaupt erst einmal zuzulassen.

Nicht jede Erkenntnis verlangt sofort eine Konsequenz. Aber wenn wir etwas immer wieder zur Seite schieben, lohnt es sich vielleicht, genauer hinzusehen.

Du musst noch nicht wissen, wohin du willst. Aber du darfst ernst nehmen, wenn du nicht mehr dort bleiben möchtest, wo du gerade bist.


Worauf ich mich nächste Woche freue

Ich freue mich darauf, das Oktober-Thema bei SHINE weiterzuentwickeln. Mich beschäftigt dabei besonders die Frage, wie wir unsere Erfahrung nutzen können, um die nächsten Jahre bewusst zu gestalten.

Wir haben schon viel entschieden, vieles geschafft und manches vielleicht auch einfach ausgehalten. Und vor allem: Wir müssen nicht noch einmal ganz von vorne anfangen.

Aber wir dürfen uns fragen, was wir aus all dem, was wir heute wissen, für uns selbst machen möchten.

Und vielleicht beginnt genau dort etwas Neues.

Was beschäftigt dich gerade?
Gibt es etwas in deinem Leben, bei dem du spürst, dass es so nicht unbedingt weitergehen soll?
Ich freue mich, wenn du mir davon erzählst.

Jetzt wünsche ich dir einen schönen Sonntag und eine Woche mit etwas Raum für deine eigenen Gedanken.

Alles Liebe,
Corina

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