SHINE Letter #007
27.09.2026
Wie viel Zeit haben wir eigentlich noch?
Liebe SHINE-Leserin,
diese Woche habe ich über eine Frage nachgedacht, die ich mir eigentlich gar nicht stellen wollte:
Wie viel Zeit haben wir eigentlich noch?
Der Sohn einer Freundin ist bei einem Arbeitsunfall gestorben. Ich möchte darüber gar nicht viel schreiben, es ist schlimm genug. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an diesen jungen Menschen, der mit meinen zwei Buben viel Zeit verbracht hat – und auch mir immer wieder (vor allem in der Küche) Gesellschaft geleistet hat. Und auf einmal ist er nicht mehr da. Das beschäftigt mich sehr.
Vielleicht weil man in unserem Alter irgendwann sehr viel deutlicher spürt, dass Zeit nicht einfach unendlich vor uns liegt.
- Wir haben Pläne.
- Wir sagen: Das mache ich später.
- Wenn die Kinder größer sind.
- Wenn der Job weniger anstrengend ist.
- Wenn wir mehr Geld haben.
- Wenn wir endlich einmal richtig Zeit haben.
- Wenn wir in Rente sind.
- Wenn …
Und plötzlich steht da diese sehr unbequeme Frage: Was, wenn später gar nicht selbstverständlich ist?
Ich möchte daraus jetzt keine Aufforderung machen, sofort alles zu verändern. Das wäre für mich die falsche Schlussfolgerung. Nicht jede Frau muss ihren Job kündigen, auswandern, ein Unternehmen gründen oder ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen.
Vielleicht geht es um etwas viel Kleineres. Darum, genauer hinzuschauen.
- Was schiebe ich eigentlich schon seit Jahren auf?
- Worauf warte ich?
- Was würde ich gerne noch erleben?
- Mit wem möchte ich mehr Zeit verbringen?
- Was möchte ich noch lernen?
- Und gibt es etwas, von dem ich längst weiß, dass ich es eigentlich nicht mehr möchte?
Ich glaube, wir Frauen mit Erfahrung stehen an einem interessanten Punkt. Wir haben schon ziemlich viel hinter uns. Wir haben gearbeitet, Kinder großgezogen, Beziehungen geführt, Menschen begleitet, Krisen überstanden, Entscheidungen getroffen und oft jahrelang funktioniert.
Und gleichzeitig liegt doch noch so viel vor uns. Vielleicht sogar mehr, als wir manchmal glauben. Aber irgendwann wird aus der Vorstellung „Ich habe noch Zeit“ etwas anderes: Ich habe Zeit. Aber ich möchte bewusster entscheiden, wofür ich sie verwende.
Das ist für mich ein großer Unterschied. Denn Zeit ist nicht nur eine Frage der Anzahl unserer Lebensjahre. Es geht auch darum, wie viel von unserem Leben wir tatsächlich selbst gestalten.
- Wie viele Stunden verbringen wir mit Dingen, die uns eigentlich gar nicht wichtig sind?
- Wie oft sagen wir Ja, obwohl wir Nein meinen?
- Wie oft halten wir an etwas fest, nur weil wir es schon so lange
- machen?
- Wie oft warten wir auf den perfekten Zeitpunkt?
Und vielleicht ist genau das die Frage, die mich diese Woche am meisten beschäftigt hat: Wenn ich wüsste, dass ich noch zehn gute Jahre vor mir habe, würde ich sie genauso verbringen wie heute?
Meine Leseempfehlung der Woche
Passend zu diesem Gedanken habe ich mit einer Expertin über ein Thema gesprochen, das für viele Frauen ab 45 irgendwann wichtig wird:
Was machen wir eigentlich mit den Jahren, die noch vor uns liegen?
Dabei geht es nicht nur um Geld. Es geht um Freiheit und um die Möglichkeit, Entscheidungen treffen zu können. Und darum, sich nicht darauf zu verlassen, dass irgendwann automatisch der richtige Zeitpunkt kommt.
Im Expertinnenartikel von Katharina Dauenhauer geht es deshalb um eine Frage, die ich für Frauen in unserer Lebensphase immer wichtiger finde: Was können wir heute tun, damit wir später mehr Möglichkeiten haben?
Dazu gehört auch, sich mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen. Nicht, weil Geld das Wichtigste im Leben wäre. Sondern weil finanzielle Unabhängigkeit darüber entscheiden kann, welche Entscheidungen wir uns später überhaupt leisten können.
Meine Artikelempfehlung dieser Woche:
„Mit 45 ist es nicht zu spät: Warum Frauen jetzt investieren und für ihr Alter vorsorgen sollten“
Der Sonntagsgedanke
Vielleicht müssen wir unser Leben gar nicht radikal verändern. Vielleicht müssen wir nur aufhören, die Dinge, die uns wirklich wichtig sind, ständig auf später zu verschieben.
- Ein Gespräch.
- Eine Reise.
- Ein Buch.
- Ein eigener Wunsch.
- Ein neuer Anfang.
- Mehr Zeit mit einem Menschen, der uns wichtig ist.
- Oder auch einfach ein Nachmittag, an dem wir nichts leisten.
Wir wissen nicht, wie viel Zeit wir haben. Aber wir können entscheiden, was wir mit der Zeit anfangen, die gerade da ist. Vielleicht ist das die eigentliche Frage: Nicht „Wie viel Zeit bleibt mir noch?“ sondern „Was möchte ich mit der Zeit machen, die ich habe?“.
Worauf ich mich nächste Woche freue
Nächste Woche freue ich mich auf einen Abend, mit dem ich heute so noch gar nicht gerechnet hatte. Eine Freundin von mir eröffnet ihr eigenes Yoga-Studio und hat mich zur Eröffnung eingeladen. Und ausgerechnet heute hat sich noch eine andere Freundin bei mir gemeldet, die inzwischen weiter weg wohnt und die ich deshalb viel zu selten sehe.
Sie fragte, was ich an dem Abend mache. Jetzt gehen wir zusammen hin. So einfach kann es manchmal sein. Jetzt freue ich mich nicht nur auf das neue Studio und darauf, meine Freundin dort zu sehen, sondern auch auf einen gemeinsamen Abend mit jemandem, den ich viel zu selten sehe.
Ich glaube, genau solche ungeplanten Verabredungen sind es, die eine Woche manchmal ein bisschen schöner machen. Darauf freue ich mich sehr.
Was hast du nächste Woche Schönes geplant? Oder bist du lieber spontan?
Ich hoffe, dieser SHINE Letter hat dir einen ruhigen Moment geschenkt – und vielleicht einen Gedanken, der dich durch die kommende Woche begleitet.
Alles Liebe,
Corina