Mentalcoach Ute Simon zeigt, wie du Zweifel stoppst und endlich losgehst.

Ute Simon schaut freundlich lächelnd in die Kamera
© Ute Simon

Ute Simon ist 63. Sie ist Mentalcoach, Autorin und Ironman-Finisherin auf Hawaii.

Wie eine Frau über 60 ihr persönliches Hawaii erreichte – und warum sie heute mentale Stärke als Lebenskompetenz weitergibt.

„Ich bin meinen Weg gegangen“

shine: Ute, wenn du an deinen Zieleinlauf auf Hawaii denkst – was war in diesem Moment stärker: Erschöpfung oder Emotion?

Ute Simon: Ganz klar die Emotion und vor allem eine große Dankbarkeit. Natürlich war ich körperlich am Limit. Aber dieser Moment war etwas ganz Besonderes. Es war ein Ankommen. Ich habe nicht gedacht: „Ich habe es geschafft.“ Ich habe gedacht: „Ich bin meinen Weg gegangen.“ Und das ist ein Unterschied. Hawaii war nie nur ein sportliches Ziel. Es war ein inneres Versprechen an mich selbst.

shine: Du stellst in deinem Buch ‚Hawaii gefinisht‘ eine zentrale Frage: „Was, wenn du nicht ‚tough‘ sein musst – sondern einfach nur echt?“ Warum war dir das so wichtig?

Ute Simon: Weil ich selbst lange geglaubt habe, ich müsse stark im Sinne von unerschütterlich sein. Keine Schwäche zeigen. Immer diszipliniert. Immer souverän. Aber das ist nicht echt. Auf meinem Weg nach Hawaii gab es Tränen, Zweifel, Verletzungen, Müdigkeit. Es gab Tage, an denen ich mich gefragt habe, ob ich mir zu viel zumute.
Dieses Buch ist kein Heldenepos. Es ist eine Einladung. Eine Einladung, an dich selbst zu glauben. An deinen eigenen Rhythmus. An dein Tempo. An dein ganz persönliches Hawaii – wo auch immer das liegt. Es erzählt von Rückschritten und Neuanfängen. Und davon, was passiert, wenn man trotzdem weitergeht. Nicht perfekt. Sondern entschlossen.

shine: Was war dein persönlich schwierigster Moment auf diesem Weg?

Ute Simon: Ehrlich gesagt nicht der Wettkampf, sondern die Vorbereitung. Es gab sehr viele ups and downs, Verletzungen, familiäre Tiefschläge. Dann gibt es im Training keine Zuschauer. Keine Medaille. Nur dich und deine Gedanken. Ich erinnere mich an einen langen Lauf im Regen. Mir war kalt, ich war müde, und plötzlich kam dieser Gedanke: „Du bist 60. Warum tust Du Dir das an?“
Das war ein Schlüsselmoment. Ich habe verstanden: Ich muss niemandem etwas beweisen. Ich tue das für mich. Nicht gegen mein Alter, sondern mit meiner Erfahrung. Das hat mir Freiheit gegeben. Freiheit es zu versuchen und wenn es nicht klappt, dann habe ich es wenigstens versucht. Denn es war ganz allein mein Wunsch, mein Ziel. Nur für mich.

Ute Simon meditiert auf einer Wiese
© Ute Simon

Viele Frauen ab 50 glauben, es sei zu spät für große Ziele. Ute zeigt das Gegenteil. Nicht durch Motivation. Durch Handlung.

„Mentale Stärke ist wie ein Muskel – du kannst ihn trainieren.“

Ute Simon

shine: Du sprichst viel von inneren Dialogen. Wie bewusst arbeitest du damit?

Ute Simon: Sehr bewusst. Unsere Gedanken laufen oft automatisch. Und sie sind nicht immer hilfreich. Ich habe gelernt, meine inneren Sätze zu hinterfragen. Wenn ich denke: „Das schaffe ich nicht“, dann halte ich inne. Ist das eine Tatsache oder nur eine Angst? Und ebenso den Fokus auf Energie-gebende Sätze zu legen anstatt auf Energie-zehrende. Wir selbst haben die Wahl, woran wir denken möchten und wie wir mit uns sprechen.
Mentale Stärke beginnt mit Selbstwahrnehmung. Erst wenn ich merke, was ich denke, kann ich es verändern. Mindfulness und Mantras helfen mir dabei. Kurze, klare Sätze wie: „Ruhig und stark.“ Oder: „Ich bin vorbereitet.“ Das sind keine Floskeln. Das sind mentale Steuerungsinstrumente. Mein Lieblingsmantra ist von sister Madonna, auch genannt die ‚ironnun‘, sie schreibt in ihrem Buch, dass sie am Start eines Rennens sich immer sagt: „I do my very best and God will do the rest:“ Das gibt doch Freiheit pur, richtig?

shine: Du betonst, dass mentale Stärke trainierbar ist. Wie fängt man damit an?

Ute Simon: Mit mindfulness, sich selbst wieder wahrnehmen und zuhören. Mit kleinen Schritten. Mentale Stärke wächst im Alltag. Wenn du dir vornimmst, eine unangenehme Aufgabe nicht aufzuschieben. Wenn du bewusst atmest, statt impulsiv zu reagieren. Wenn du dich nach einem Rückschlag fragst: „Was kann ich daraus lernen?“
Es ist wie Muskeltraining. Du gehst nicht einmal ins Fitnessstudio und erwartest Veränderung. Du bleibst dran. Und irgendwann merkst du: Ich bin stabiler geworden.

shine: Dein Engagement geht weit über den Sport hinaus. Du hast ein Mental-Health-Projekt an Schulen in Kenia gestartet. Was war der Auslöser?

Ute Simon: Mein Mann und ich arbeiten schon lange mit unserer Hakuna Matata Stiftung in Kenia. Dort erlebe ich Jugendliche, die täglich mit enormen Herausforderungen umgehen. Armut, familiäre Belastungen, fehlende Perspektiven. Gleichzeitig sehe ich dort so viel Potenzial.
Mir war klar: Wenn wir jungen Menschen früh Werkzeuge an die Hand geben – Atemtechniken, positive Selbstgespräche, Strategien gegen Stress –, dann verändern wir nicht nur einen Moment. Wir verändern Möglichkeiten. Denn mentale Stärke ist eine Lebenskompetenz.

shine: Was genau vermittelst du dort?

Ute Simon: Ich arbeite dort mit sehr praktischen Werkzeugen, tools aus meinen beiden Büchern ‚Just breathe‘, dort geht es um Atemtechniken und ‚Feel good‘., darin finden wir mentale Techniken, alles direkt umsetzbar und leicht erlernbar. Beispiele sind: Wie beruhige ich mich, wenn ich Angst habe? Wie gehe ich mit Druck um? Wie erkenne ich meine Stärken? Wir arbeiten mit einfachen Visualisierungen und kleinen Ritualen. Die Jugendlichen lernen, dass Gedanken Gefühle beeinflussen. Und dass sie ihre Gedanken lenken können.
Das ist Selbstwirksamkeit. Und Selbstwirksamkeit ist der Kern mentaler Stärke.

shine: Hat dich dieses Projekt persönlich verändert?

Ute Simon: Ja. Es hat meinen Blick erweitert. Ein Ironman ist freiwillig. Diese Jugendlichen haben sich ihre Lebensumstände nicht ausgesucht. Wenn ich sehe, wie sie trotzdem lachen, lernen, träumen – dann relativiert das vieles.
Es hat meinen Wunsch verstärkt, nicht nur über mentale Stärke zu sprechen, sondern sie zugänglich zu machen. Für alle. Nicht nur für Sportler.

shine: Du hast acht Bücher geschrieben. Was treibt dich immer wieder an zu schreiben?

Ute Simon: Schreiben ist für mich Reflexion. Wenn ich Erlebnisse in Worte fasse, verstehe ich sie tiefer. „Hawaii gefinisht“ ist sehr persönlich. Es zeigt nicht nur die sportliche Seite, sondern auch die verletzliche. Ich glaube, genau das brauchen wir: ehrliche Geschichten.
Ich möchte Mut machen. Nicht im Sinne von „Du kannst alles schaffen“, sondern im Sinne von: „Du darfst anfangen. Und du darfst unterwegs lernen.“

Buchempfehlung

Wenn dich Utes Geschichte bewegt hat, lies ihr Buch:
Hawaii gefinisht –der Weg einer 60+ Triathletin und Mental-Coach zur Ironman-WM

Du bekommst einen ehrlichen Einblick in ihren Weg. Mit konkreten Tools für deinen Alltag.

shine: Viele Menschen jenseits der 50 haben das Gefühl, ihre großen Träume lägen hinter ihnen. Was sagst du ihnen?

Ute Simon: Ich sage: Deine Erfahrung ist dein Kapital. Mit 20 hast du Energie. Mit 60 hast du Tiefe. Du weißt, dass Rückschläge überlebbar sind. Du kennst deine Muster. Du kannst bewusster entscheiden.
Wenn du glaubst, du bist zu alt, fang erst recht an. Vielleicht nicht mit einem Ironman. Aber mit etwas, das dein Herz bewegt. Das kann ein soziales Projekt sein, eine Ausbildung, eine Reise oder ein neues Kapitel im Beruf.

shine: Was bedeutet „Hawaii“ heute für dich?

Ute Simon: Es ist ein Symbol. Für Mut. Für Vertrauen. Für den Weg. Die Insel war das Ziel. Aber die eigentliche Reise führte durch mich selbst. Durch Zweifel, durch Disziplin, durch Geduld.
Heute ist mein „Hawaii“ oft leiser. Es ist ein gelungener Vortrag. Ein Jugendlicher in Kenia, der sagt: „Ich traue mir mehr zu.“ Oder ein Leser, der schreibt, dass er wieder angefangen hat zu träumen.

shine: Wenn du deine Lebenshaltung in einem Satz zusammenfassen müsstest – welcher wäre das?

Ute Simon: Trau dich. Vertrau dir. Und geh los – in deinem Tempo. Du musst nicht perfekt sein. Du musst nicht tough sein. Du darfst echt sein. Und genau darin liegt deine größte Stärke.

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