Warum Sichtbarkeit für selbständige Frauen eine echte Herausforderung ist.
Die 4 größten Blockaden verstehen und endlich sichtbar werden.
Gastartikel von Ursula Paulick „Die Markenbildnerin“.
Sichtbar sein…
…das klingt erst mal nach Erfolg, Anerkennung und Durchbruch. Endlich zeigen, was man kann. Endlich mit dem eigenen Business rausgehen. Die Bühne betreten, auf der man schon lange stehen sollte. Und trotzdem fällt genau das vielen Frauen schwer. Statt nach vorn zu gehen, treten sie oft einen Schritt zurück. Statt zu sagen „Hier bin ich, das kann ich“, halten sie sich lieber im Hintergrund. Woran liegt das?

„Nicht fehlende Kompetenz bremst dich, sondern Perfektionismus und der ständige Blick auf andere.“
Ursula Paulick
Die 4 häufigsten Blockaden
Die Antwort ist vielschichtig – und hat wenig mit mangelnder Kompetenz zu tun. Meistens sind es alte Prägungen, gesellschaftliche Erwartungen und innere Blockaden, die Frauen daran hindern, sichtbar zu werden. Schauen wir uns die vier wichtigsten Gründe genauer an.
- Alte Glaubenssätze
Viele Frauen sind mit Botschaften groß geworden wie: „Sei nicht so auffällig“, „Halt dich lieber zurück“ oder „Mach dich nicht wichtig“. Diese Sätze wurden oft von Eltern, Lehrern oder dem sozialen Umfeld vermittelt – manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Und sie wirken oft noch Jahre später nach. Zum Beispiel dann, wenn es darum geht, sich auf Social Media zu zeigen. Oder die eigenen Erfolge sichtbar zu machen. Oder im Meeting die Hand zu heben und zu sagen: „Ich habe eine Idee.“
Kein Wunder also, dass sich Sichtbarkeit für viele erst mal ungewohnt oder sogar falsch anfühlt. Es ist, als würde man gegen eine unsichtbare Regel verstoßen. Eine Regel, die tief verankert ist und die flüstert: „Bleib lieber leise. Sei bescheiden. Fall nicht auf.“Diese Glaubenssätze sind hartnäckig. Sie lassen sich nicht von heute auf morgen abschütteln. Aber der erste Schritt ist, sie überhaupt zu erkennen. Sich bewusst zu machen: Das ist nicht meine Stimme. Das ist eine Prägung. Und ich kann entscheiden, ob ich ihr weiter folge. - Angst vor Kritik und Ablehnung
Frauen werden häufig strenger bewertet als Männer. Das ist keine Einbildung, sondern durch zahlreiche Studien belegt. Während selbstbewusstes Auftreten bei Männern positiv wahrgenommen wird – als Führungsstärke, Durchsetzungsvermögen, Expertise –, gilt es bei Frauen schnell als arrogant, überheblich oder unsympathisch.
Dieser doppelte Standard wirkt sich massiv auf das Verhalten aus. Frauen wissen, dass sie kritischer beäugt werden. Dass ein falscher Ton, ein zu selbstbewusster Auftritt oder ein zu hoher Preis schnell negativ ausgelegt werden kann. Die Folge: Viele bleiben lieber leise, um nicht anzuecken – und verzichten damit auf wertvolle Chancen.Ein Beispiel: Eine Unternehmerin postet auf LinkedIn über ihren Erfolg. Unter dem Beitrag eines männlichen Kollegen mit ähnlichem Inhalt hagelt es Glückwünsche. Unter ihrem Beitrag kommen Kommentare wie: „Muss man das so raushängen lassen?“ oder „Ein bisschen bescheidener wäre sympathischer.“
Solche Erfahrungen prägen. Sie führen dazu, dass Frauen sich zurückhalten, ihre Erfolge kleinreden oder gar nicht erst posten. Aus Angst vor negativen Reaktionen. Aus Angst, als „zu viel“ wahrgenommen zu werden.Aber hier ist die Wahrheit: Wer sich aus Angst vor Kritik unsichtbar macht, schützt sich nicht. Er verhindert nur seinen eigenen Erfolg. - Der Hang zum Perfektionismus
„Ich gehe erst raus, wenn alles perfekt ist.“ Diese Haltung kennen viele Frauen nur zu gut. Die Website muss makellos sein, die Texte fehlerfrei, das Angebot bis ins Detail durchdacht. Erst dann – so die Überzeugung – darf man sich zeigen.
Doch Perfektionismus ist oft nichts anderes als eine gut getarnte Angst, sich zu zeigen. Er ist eine Ausrede, die sich logisch anhört, aber in Wahrheit nur eines bewirkt: Stillstand. Denn perfekt wird es nie. Es gibt immer noch ein Detail, das optimiert werden könnte. Noch ein Foto, das besser sein könnte. Noch ein Text, der runder klingen könnte. Und während man wartet, bis alles perfekt ist, gehen Monate ins Land. Manchmal Jahre.
In der Zwischenzeit? Gehen die Kunden zu anderen. Zu Menschen, die vielleicht nicht perfekt sind, aber präsent. Die sichtbar sind, ansprechbar, greifbar. Sichtbarkeit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Präsenz. Durch Regelmäßigkeit. Durch den Mut, auch mal etwas rauszuhauen, das nicht zu 100 Prozent durchdacht ist.Das heißt nicht, dass Qualität egal ist. Aber es heißt: Lieber gut und sichtbar als perfekt und unsichtbar. - Ständiges Vergleichen:
Der Blick auf andere – vor allem auf Mitbewerberinnen – führt bei vielen Frauen zu Selbstzweifeln. Statt die eigene Stärke zu sehen, fühlen sie sich schnell weniger kompetent. Weniger professionell. Weniger erfolgreich.
Social Media verstärkt dieses Phänomen noch. Man scrollt durch Instagram oder LinkedIn und sieht: perfekte Fotos, ausgefeilte Texte, beeindruckende Erfolgsgeschichten. Und dann schaut man auf sich selbst und denkt: „Im Vergleich dazu bin ich nichts.“ Aber dieser Vergleich ist unfair. Denn man vergleicht das eigene Innenleben – mit all den Zweifeln, Unsicherheiten und ungeschönten Momenten – mit der glattpolierten Außendarstellung anderer.Das Ergebnis: Das Selbstbewusstsein leidet. Und es wird schwer, klar und souverän aufzutreten. Denn wie soll man selbstbewusst rausgehen, wenn man ständig das Gefühl hat, nicht gut genug zu sein?
Die Lösung: Den Fokus wieder auf sich selbst richten. Nicht auf die anderen. Nicht auf das, was sie scheinbar besser machen. Sondern auf die eigene Stärke, die eigene Expertise, die eigene Persönlichkeit. Denn genau die ist es, die Kunden anzieht. Nicht Perfektion. Nicht Hochglanz. Sondern Authentizität.
Sichtbarkeit im echten Leben: typische Situationen
Theorie ist das eine. Aber wie sieht das konkret aus? Hier ein paar Beispiele aus dem Alltag selbständiger Frauen:
Die Gründerin, die ihren Instagram-Kanal monatelang nicht startet, weil die Fotos „noch nicht gut genug“ sind. Sie wartet auf den perfekten Moment, das perfekte Konzept, die perfekte Bildsprache. In der Zwischenzeit verliert sie potenzielle Kundinnen, die sie gar nicht finden können.
Die Beraterin, die im Meeting schweigt, obwohl sie die beste Idee hat. Sie traut sich nicht, das Wort zu ergreifen – aus Sorge, zu dominant zu wirken oder die Idee könnte nicht ausgereift genug sein. Am Ende präsentiert ein männlicher Kollege eine ähnliche Idee – und erntet Applaus.
Die Coachin, die ihre Preise zu niedrig ansetzt, um bloß nicht unsympathisch zu erscheinen. Sie hat Angst, dass potenzielle Kunden sie für geldgierig halten könnten, wenn sie einen angemessenen Preis verlangt. Also bleibt sie unter Wert – und zieht genau die falschen Kunden an.
Die Designerin, die ihre Erfolge nicht teilt, weil sie denkt, das wäre Angeberei. Statt stolz zu zeigen, was sie geschaffen hat, hält sie sich zurück. Ihre Konkurrenz? Postet regelmäßig – und bekommt die Aufträge.
Für viele Frauen sind solche Situationen Alltag. Und sie sind damit keineswegs allein.
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Was können Frauen tun?
Der erste Schritt ist, die eigenen Muster zu erkennen. Sichtbarkeitsangst hat selten etwas mit mangelnder Kompetenz zu tun, sondern mit alten Prägungen, gesellschaftlichen Erwartungen und inneren Blockaden. Diese bewusst zu hinterfragen, ist entscheidend. Hilfreich ist außerdem, klein anzufangen. Sichtbarkeit muss nicht sofort große Bühne bedeuten. Ein Post, ein Kommentar oder ein kurzer Pitch beim Netzwerken reichen oft schon aus. Jeder Schritt zählt. Jeder Moment, in dem man sich zeigt, trainiert den Mut-Muskel. Und vor allem: sich selbst erlauben, gesehen zu werden. Denn Kunden suchen keine perfekten Marken – sie suchen echte Menschen. Menschen, denen sie vertrauen können. Menschen, die authentisch sind.
Sichtbarkeit ist kein Ego-Trip. Sie ist die Voraussetzung dafür, überhaupt gefunden zu werden. Oder, um es mit anderen Worten zu sagen: Sichtbarkeit schlägt Kompetenz. Denn die beste Expertise nützt nichts, wenn niemand von ihr weiß. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Frauen den Mut haben, einen Schritt nach vorn zu gehen. Nicht perfekt. Nicht laut. Sondern authentisch. Mit allem, was dazugehört – den Stärken, den Zweifeln, der eigenen Geschichte.
Denn genau das ist es, was andere anzieht. Nicht die perfekte Fassade. Sondern die echte Person dahinter.
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Shine-Leserinnen können ein kostenfreies halbstündiges Strategiegespräch zum Thema „Wie werde ich sichtbar“ in Anspruch nehmen, indem sie gemeinsam mit Markenbildnerin Ursula Paulick genau analysieren, wo der Hase begraben liegt.
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Über die Autorin
Ursula Paulick ist Inhaberin der Münchner Agentur „Die Markenbildnerei“ mit Schwerpunkt Personal Branding. Kernstück ihrer Arbeit ist ihr „Starke-Marke!“-Programm.
Seit mehr als 20 Jahren begleitet sie Selbständige und KMUs dabei, ihre Identität zu klären und daraus eine echte, erinnerbare und individuelle Marke zu entwickeln.
Ihre Arbeit beginnt nicht bei der Außendarstellung, sondern bei der inneren Haltung. Sichtbarkeit versteht sie als inneren Wert und nicht als Inszenierung.
Sie unterstützt Menschen dabei, sich mit ihren Stärken und Werten so zu zeigen, wie sie wirklich sind – klar, glaubwürdig und authentisch.
